Jenseits des Gewöhnlichen
Erfahren Sie mehr über mich und meine Reise. Alles begann im Jahr 2017, als ich meinen Schulabschluss machte.
Damals war ich eine sehr schüchterne und zurückhaltende Person, die es vorzog, allein zu sein und den Kontakt zu anderen zu meiden. Ich wollte nicht auffallen und suchte stets nach Ruhe. Doch im Sommer 2017 sollte sich alles ändern.
Bei einem Spaziergang durch unser Wäldchen entdeckte ich zwei Personen, die barfuß unterwegs waren und offensichtlich viel Spaß hatten. Zwar war das für mich nichts Ungewöhnliches, aber irgendetwas daran zog mich an. Nach einer Weile des Beobachtens fasste ich den Entschluss: Ich wollte es auch ausprobieren. Also zog ich zuerst meine Schuhe und dann meine Socken aus und lief ein Stück barfuß. Ich musste zugeben, es war ein befreiendes Gefühl.
Allerdings bemerkte ich bald, dass es schmerzhaft wurde, und setzte mich auf die nächste Bank. Nach einer zehnminütigen Pause, als ich gerade wieder aufbrechen wollte, kamen drei Personen im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren vorbei und schauten mich an, als wäre ich vom Mars gekommen. Es war mir so peinlich, dass ich schnell meine Schuhe wieder anzog und weiterging, ohne zu bemerken, dass ich meine Socken auf der Bank liegen gelassen hatte.
Als ich zu Hause ankam, begann ich darüber nachzudenken und entschied, das Barfußlaufen weiter auszuprobieren – diesmal jedoch nachts, wenn es dunkel war.
Nach zwei Monaten, in denen ich mit meiner Ausbildung begonnen hatte und jeden Tag um 4 Uhr aufstehen musste, sollte ein Tag alles verändern. Es war ein sehr stressiger Arbeitstag, an dem ich viel laufen musste und wir stark unterbesetzt waren. Ich war müde, da ich erst um 18 Uhr nach Hause kam und von 22 bis 23 Uhr meinen Spaziergang machte. Doch an diesem Tag war ich so erschöpft und gestresst, dass ich nach Feierabend um 16 Uhr genug hatte. Meine Füße schmerzten in den Schuhen, also verließ ich das Firmengelände, zog meine Schuhe und Socken aus, warf sie in die nächste Mülltonne und lief zum Bahnhof.
Die 30 bis 40 Personen, die an mir vorbeigingen, waren mir völlig egal. Sie konnten schauen oder denken, was sie wollten. Doch als ich am Bahnhof ankam, wurde mir bewusst, dass ich meine Schuhe weggeworfen hatte. Jetzt war es zu spät, um zurückzukehren. Ich versuchte, so unauffällig wie möglich zu sein, aber jeder am Bahnsteig hatte es längst bemerkt. Also musste ich mutig sein. Als der Zug kam, versuchte ich, einen Sitzplatz zu ergattern, um meine Füße darunter zu verstecken, doch der Zug war überfüllt. Ich stand genau an der Tür, wo jeder ein- und ausstieg.
Als ich endlich zu Hause ankam, begann ich darüber nachzudenken und stellte fest, dass ich am Wochenende oft mit Flip-Flops unterwegs war. Mir kam die Frage in den Sinn, was der Unterschied zum Barfußlaufen war. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam ich zu dem Schluss, dass es eigentlich fast dasselbe ist. Ob barfuß oder in Flip-Flops – man sieht die Füße so oder so.
Nachdem ich diese Erkenntnis gewonnen hatte, begann ich, direkt nach der Arbeit zu spazieren, und von Jahr zu Jahr wanderte ich vom Wäldchen bis in die Stadt. Mittlerweile laufe ich fast immer barfuß, sogar im Winter.
Nach jahrelanger Erfahrung kann ich nur eines sagen: Es ist egal, ob du anders bist, anders denkst oder anders aussiehst. Lebe dein Leben so, wie du es möchtest, und schau nicht auf andere. Was andere denken, ist deren Problem und nicht deins. Lass dir von niemandem vorschreiben, wie du sein sollst; sei so, wie du es willst.
Tobias Förtsch